Sehr geehrte Damen und Herren,
,, .... und alle aßen und wurden satt" (Mk 6,42). Dieses Vertrauen auf Gottes Fürsorge leitet uns bei unserem Prozess „Kirche der Zukunft". Wir glauben an einen Gott, der überrascht und immer wieder auf neue Wege führt, wie in der Brotvermehrung geschehen. Was wir selbst empfangen haben, können wir als Kirche an vielen Orten freigiebig weitergeben. Wir wollen es mit den Menschen teilen. Als Martinsdiözese darf uns das sehr bewusst sein. Noch stärker als bisher werden wir in Zukunft Räume, finanzielle Mittel und personelle Ressourcen teilen und - so hoffe ich zutiefst - unsere Hoffnung und den Glauben, der uns trägt. Dabei werden wir wie im Evangelium entdecken können, dass Teilen, einander teilhaben lassen, ein Gewinn ist. Ich bin zuversichtlich, dass die anstehenden Veränderungen eine Chance sind, dass etwas Neues entstehen kann. Wir werden uns verändern und wir werden gemeinsam weiterhin und neu Kirche für die Menschen sein.
Angesichts der großen Herausforderungen, die wir gemeinsam bewältigen müssen, habe ich zusammen mit dem Diözesanrat das Projekt „Seelsorge in neuen Strukturen" gestartet. Ziel dieses Projektes ist es, angesichts rückläufiger Finanz- und
Personalressourcen unsere pastoralen Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen von Verwaltungsaufgaben zu entlasten, damit mehr Raum für Pastoral und Seelsorge bleibt. Hierzu werden wir größere Raumschaften als neue Kirchengemeinden bilden. In diesen wollen wir Seelsorge vernetzt mit den verschiedenen kirchlichen Orten ermöglichen, die zu den Bedürfnissen der Menschen von heute passt. In diesen größeren Räumen kann das bisherige gemeindliche Leben vor Ort weiterhin und mit größerer Flexibilität als bisher gestaltet werden. Unser Glaube und unsere Kirche soll auch zukünftig an vielen Orten nahe bei den Menschen lebendig sein.
Welche seelsorgerlichen Schwerpunkte wir zukünftig setzen, was wir weiterentwickeln, beenden oder neu beginnen, darüber werden wir uns in den kommenden Monaten intensiv beraten. Damit wird nach den vielen notwendigen strukturellen Überlegungen der vergangenen Monate der Fokus wieder stärker auf Inhalte gelenkt werden. Hierbei sind Sie, die Kirchengemeinden und die anderen kirchlichen Orte mit Ihren Ideen und Erfahrungen gefragt. Bitte bringen Sie sich in diese Überlegungen mit ein. Das ist mir als Bischof sehr wichtig!
In der Sitzung am 29. November 2025 hat der Diözesanrat in seiner Funktion als Pastoralrat über wichtige Eckpunkte der Seelsorge in neuen Strukturen beraten und für den nächsten Projektschritt entsprechende Vorschläge erarbeitet. Diese mit überwältigender Mehrheit beschlossenen Voten habe ich mir als Bischof zu eigen gemacht. Die Qualität und das Ergebnis der Beratungen auf allen Ebenen und zuletzt die starken Beschlüsse des Diözesanrats haben mich, gerade ein Jahr nach meinem Amtsantritt als Ihr Bischof, auch persönlich berührt und beeindruckt. Sie sind eine Bestätigung unseres synodalen „Rottenburger Modells“ und ein Zeichen für das Wirken des Geistes Gottes in unserer Kirche. Damit sind wichtige Weichenstellungen für den nächsten Projektschritt erfolgt:
- Wir werden zukünftig 50 - 80 Raumschaften (Kirchengemeinden) in der Diözese haben.
- Wir nutzen die Vielfalt der kirchenrechtlich möglichen Leitungsmodelle (Pfarrer, Pfarrerteam, Pfarrbeauftragte:r und Pfarrbeauftragtenteam) in unserer Diözese.
- Wir etablieren die Funktion eines/einer Verwaltungsbeauftragten zur Unterstützung der Leitung einer Kirchengemeinde.
- Wir bilden aus wirtschaftlichen und verwaltungstechnischen Gründen die neuen Kirchengemeinden auf dem Weg der Union der derzeitigen kirchengemeindlichen Körperschaften.
- Wir starten den nächsten Projektschritt der Umschreibung der Kirchengemeinden im Januar 2026.
Der Diözesanrat hat in seiner Funktion als Kirchensteuervertretung auch entschieden, dass angesichts der rückläufigen Finanzen die Kirchensteuerzuweisung an die Kirchengemeinden für das Jahr 2026 um 8,7 % gesenkt wird. Sie werden von der
zuständigen Hauptabteilung XIII weitere Informationen zu dieser Absenkung, zum Umgang damit und den weiteren Perspektiven erhalten. Nicht zuletzt unterstreicht dieser schmerzliche Rückgang noch einmal die Notwendigkeit unserer strukturellen Reformbemühungen.
Auf der Ebene der Diözesanverwaltung gibt es bereits seit 2024 einen eigenen Einsparprozess über alle Bereiche des Diözesanhaushalts hinweg. Dieser wird 2026 im Rahmen des Prozesses „Kirche der Zukunft“ in ein Organisationsentwicklungsprojekt überführt, das die Bereiche Kurie, mittlere Ebene und nichtverfasste Kirche umfasst. Ein Teil des Prozesses ist auch die Fortsetzung des Projektes „Digitalstrategie“. Hier geht es um Investitionen in verbesserte Möglichkeiten zur Zusammenarbeit und ressourcenschonende Verwaltungsabläufe. Hierfür hat der Diözesanrat zusätzliche Finanzmittel freigegeben.
Es ist mir bewusst und ich verstehe es sehr gut, dass die anstehenden Veränderungen auch Sorgen und Skepsis auslösen und uns allen viel abverlangen. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass es die notwendigen und richtigen Schritte für unsere
Kirche der Zukunft sind. Darin bestärken mich auch die Rückmeldungen vieler Gläubigen.
Wie geht es nun weiter?
Für den Umsetzungsschritt „Umschreibung der Raumschaften“ liegt die Verantwortung auf der Ebene des Dekanates. Die Dekane werden von mir beauftragt, eine entsprechende Steuerungsgruppe zu bilden. Ziel ist es, dass wir bis spätestens Ende
2026 eine diözesane Karte der zukünftigen neuen „Raumschaften“ erstellt haben. Aus dieser wird dann sichtbar, welche Kirchengemeinden zukünftig gemeinsam eine „neue Kirchengemeinde“ bilden werden. Für diesen Schritt ist ein umfassendes Beteiligungsverfahren der Kirchengemeinden und der Gemeinden von Katholiken anderer Muttersprache vorgesehen; auch die anderen kirchlichen Orte und Einrichtungen werden eingebunden. Ich bitte Sie um Ihre Unterstützung, denn auf Sie vor
Ort kommt es an. Wie dieses Verfahren genau geplant ist, welche Rahmenvorgaben es gibt und welche Schritte zu gehen sind, darüber werden die gewählten Vorsitzenden der Gremien und die pastoralen Mitarbeitenden über ihre jeweiligen Dekanate informiert. Informationen dazu finden Sie auch auf https://kirche-der-zukunft.drs.de/prozess-kirche-der-zukunft.html .
Parallel zur Phase der Umschreibung der Raumschaften werden wir intensiv daran arbeiten, bereits den nächsten Projektschritt zu planen: Wie die neuen Kirchengemeinden gebildet werden. Dafür haben wir den Zeitrahmen 2027 - 2029/2030 vorgesehen. Er dient allen Vorarbeiten, die in den jeweiligen Kirchengemeinden der neuen Raumschaft gemeinsam erfolgen müssen, um am Ende eine neue Kirchengemeinde zu errichten. Dazu gehört natürlich zunächst ein Sich-kennenlernen und miteinander Vertraut-werden; darüber hinaus werden zahlreiche pastorale Überlegungen und Planungen, strukturelle Klärungen und Vereinbarungen sowie rechtliche Schritte notwendig sein. Am Ende dieser Phase steht eine gemeinsam erarbeitete Gründungsvereinbarung der „bisherigen“ Kirchengemeinden für die „neue“ Kirchengemeinde. Auch hierzu erhalten Sie möglichst zeitnah weitere Informationen und unterstützende Angebote.
Alle aktuellen Informationen zum Prozess „Kirche der Zukunft“ und zu den einzelnen Projekten finden Sie hier:
https://kirche-der-zukunft.drs.de/prozess-kirche-der-zukunft.html .
Mit dem Newsletter https://kirche-der-zukunft.drs.de/newsletter.html sind Sie ebenfalls immer zeitnah informiert.
Sehr herzlich danke ich Ihnen für all Ihr Engagement zum Wohle der Kirche der Zukunft in unserer Diözese. Lassen Sie uns gemeinsam die nun anstehenden Schritte gehen, damit wir im Geiste Jesu und voller Gottvertrauen sinnstiftend und segensreich Kirche in Rottenburg-Stuttgart sein können.
Ich wünsche Ihnen gesegnete adventliche Tage und grüße Sie in herzlicher Verbundenheit
Dr. Klaus Kramer
Bischof




