Du sollst dich selbst unterbrechen
Mögen Sie Unterbrechungen? Oder Warten?
Es gibt ja sehr unterschiedliche Situationen und genau so unterschiedlich ordne ich diese ein: Warten beim Arzt finde ich nicht so angenehm, von einer roten Ampel ausgebremst zu werden nervt mich manchmal, wenn der Computer mal wieder abstürzt, kann mich das morgens schon ziemlich stressen.
Aber die Unterbrechung, die ich und viele jetzt gerade vor mir/vor uns haben oder schon mittendrin sind, finde ich ziemlich angenehm: Urlaub.
Wir alle brauchen diese Zeiten: Zeit der Erholung, Zeit, um neue Erfahrungen zu machen, Zeit für Familie und Freunde und auch mal Zeit zum Vertrödeln.
Aber vielleicht gelingt es uns ja auch, die alltäglichen Unterbrechungen und Störungen anders einzuordnen.
Die Theologin Dorothee Sölle schreibt in ihrem Gedicht:
Du sollst dich selbst unterbrechen
Zwischen Arbeiten und Konsumieren soll Stille sein und Freude, dem Gruß des Engels zu lauschen: Fürchte dich nicht! Zwischen Aufräumen und Vorbereiten sollst du es in dir singen hören, das alte Lied der Sehnsucht: Maranata, komm, Gott, komm! Zwischen Wegschaffen und Vorplanen sollst du dich erinnern an den ersten Schöpfungsmorgen, deinen und aller Anfang, als die Sonne aufging ohne Zweck und du nicht berechnet wurdest in der Zeit, die niemandem gehört außer dem Ewigen.
Lassen wir uns unterbrechen, freuen uns über die geschenkte Zeit jetzt im Urlaub und lassen wir unseren Gott doch gerne in den unfreiwilligen Unterbrechungen aufleuchten.
Marion Santin
Kath. Kirchengemeinde




